Was ist ein Farbraum?
Ein Farbraum ist ein exakt definierter Ausschnitt an Farben innerhalb eines Farbmodells. Bildschirme, Kameras und Druckmaschinen arbeiten mit unterschiedlichen Farbmodellen wie RGB oder CMYK, innerhalb derer jeweils mehrere Farbräume möglich sind.
Für die Druckvorbereitung ist das Konzept zentral: Nicht jede am Bildschirm sichtbare Farbe überträgt sich eins zu eins auf Papier. Wer diesen Zusammenhang kennt, vermeidet ungewollte Abweichungen zwischen Bildschirmdarstellung und fertigem Druckprodukt.
Farbraum, Farbmodell und Farbprofil im Überblick
Die Begriffe Farbraum, Farbmodell und Farbprofil überschneiden sich in der Verwendung oft, meinen aber Unterschiedliches: Das Farbmodell, etwa RGB oder CMYK, legt zunächst nur fest, mit welchen Werten sich Farben überhaupt beschreiben lassen, zum Beispiel über einen Rot-, Grün- und Blauanteil. Innerhalb eines Farbmodells gibt es dann mehrere konkrete Farbräume: sRGB und Adobe RGB sind zum Beispiel zwei unterschiedliche Farbräume innerhalb des RGB-Farbmodells, mit jeweils eigenem Farbumfang. Der Farbraum definiert den Bereich der Farben, welche mit einem bestimmten Farbmodell erzeugt werden können und legt absolute Farbwerte fest. Das Farbprofil beschreibt schliesslich, welchen Farbraum ein ganz bestimmtes Gerät wie ein Monitor oder Drucker tatsächlich wiedergeben kann.
Wie ist ein Farbraum aufgebaut?

Wenige Zahlenwerte beschreiben jede Farbe eindeutig, bei RGB etwa der Rot-, Grün- und Blauanteil. Ein Koordinatensystem trägt diese Werte ab und liefert damit für jede darstellbare Farbe einen festen Punkt im Raum. Die Summe aller dieser Punkte formt einen dreidimensionalen Körper, das ist der Farbraum.
Innerhalb dieses Körpers liegen alle Farben, die ein Gerät oder Verfahren tatsächlich abbilden kann, diesen darstellbaren Bereich nennen Fachleute Gamut oder Farbumfang. Ausserhalb seiner Grenzen liegen Farben, die sich nicht darstellen lassen.
Warum ist der Farbraum beim Drucken wichtig?
Digitalkameras und Smartphones speichern Fotos im RGB-Farbmodell: RGB mischt Licht additiv aus Rot, Grün und Blau. Druckmaschinen arbeiten dagegen im CMYK-Farbmodell: Es mischt subtraktiv aus Cyan, Magenta, Yellow und Key (Schwarz). Vor dem Druck rechnet die Druckvorstufe deshalb praktisch jedes Foto und jede Grafik, die in RGB oder LAB vorliegt, in CMYK um, ein sogenannter Farbraumwechsel. Weil der CMYK-Farbraum kleiner ist als der RGB-Farbraum, gehen bei der Umrechnung einzelne Farbtöne verloren. Ein knalliges Bildschirm-Grün liegt beispielsweise oft ausserhalb dessen, was die CMYK-Druckfarben mischen können. Die Druckmaschine ersetzt diese Farbe dann durch die nächstmögliche Annäherung innerhalb ihres eigenen Farbraums, meist ein etwas stumpferes, dunkleres Grün. Je weiter eine Farbe ausserhalb des Zielfarbraums liegt, desto deutlicher fällt diese Annäherung aus, und desto sichtbarer wird der Unterschied zwischen Bildschirm und Druckprodukt.
Delta-E-Wert
Der Delta-E-Wert fasst in Zahlen, wie stark sich eine Farbe von einer anderen unterscheidet. Bei Delta-E unter zwei sieht das menschliche Auge kaum einen Unterschied, ab etwa fünf fällt die Abweichung selbst ungeübten Augen auf, vergleichbar mit einem satten Rot, das plötzlich leicht verwaschen wirkt.
Bei Firmenlogos oder Corporate-Farben auf Flyern oder Broschüren, wo ein exakter Ton zählt, lohnt sich deshalb vor dem Druck ein Blick auf den Delta-E-Wert.
Welcher Farbraum eignet sich für den Druck?
Weil Bilder fast immer zuerst in RGB entstehen, aber Druckmaschinen sie am Ende in CMYK drucken, kommt es vor allem darauf an, in welchem RGB-Farbraum Grafikerinnen und Grafiker eine Datei anlegen. Zwei kommen dafür in der Praxis vor allem infrage: sRGB und Adobe RGB.
sRGB ist der am weitesten verbreitete RGB-Farbraum, die meisten Browser sowie Kameras und Bildschirme von Consumer-Geräten nutzen ihn als Standard. Sein Farbumfang deckt allerdings nur einen Teil der für Menschen sichtbaren Farben ab. Adobe RGB fasst einen grösseren Farbraum, vor allem im Grün- und Blaubereich, und bildet damit auch Farbtöne ab, die der CMYK-Druckfarbraum darstellen kann, sRGB aber nicht erreicht. Wer von vornherein für den Druck plant, verliert deshalb mit Adobe RGB als Arbeitsfarbraum tendenziell weniger Farbnuancen bei der späteren Umwandlung als mit sRGB.
Unabhängig davon, welchen RGB-Farbraum die Datei nutzt: Für den Druck selbst ist am Ende immer das CMYK-Farbmodell das richtige Format. Die Druckvorstufe wandelt RGB-Dateien deshalb vor der Weiterverarbeitung entsprechend um. Damit diese Umwandlung kontrolliert abläuft und der Delta-E-Wert möglichst klein ist, greift die Umrechnung auf ein ICC-Profil zurück. Es beschreibt exakt, welchen Farbraum ein Gerät abdeckt, und dient als Übersetzungstabelle zwischen RGB und CMYK.
CIE-Farbraum: Referenz für alle sichtbaren Farben
Fachleute bezeichnen den CIE-Farbraum meist als Lab-Farbraum. Er geht auf eine Normierung der Internationalen Beleuchtungskommission (CIE) aus dem Jahr 1976 zurück. Anders als RGB oder CMYK gehört er zu keinem bestimmten Gerät, sondern bildet den grösstmöglichen Körper: alle Farben, die das menschliche Auge überhaupt wahrnehmen kann. Jede Farbe bekommt darin einen festen Platz über drei Achsen, Helligkeit L (0 bis 100) sowie die Farbachsen Grün-Rot a und Blau-Gelb b (in der Praxis etwa -128 bis +127).
Weil dieser Körper den RGB- und CMYK-Farbraum vollständig umschliesst, eignet er sich als neutrale Zwischenstation, wenn Farbwerte von einem Gerät zum anderen wechseln, etwa von der Kamera über den Bildschirm bis zur Druckmaschine. Ein ICC-Profil übersetzt dabei nicht direkt von RGB nach CMYK, sondern über Lab oder den verwandten CIE-Farbraum XYZ. Fachleute nennen diese Zwischenstation den Profile Connection Space (PCS).
Farbraum kurz zusammengefasst
- Ein Farbraum ist ein dreidimensionaler Körper aus Farbwerten und legt fest, welche Farben darstellbar sind.
- Der CMYK-Farbraum fällt kleiner aus als der RGB-Farbraum, kräftige Töne wie Neon-Grün finden dort keinen Platz mehr.
- Der Delta-E-Wert zeigt, wie stark eine Farbe bei der Umrechnung abweicht, ab etwa 5 nimmt das menschliche Auge den Unterschied wahr.
- sRGB und Adobe RGB sind zwei RGB-Farbräume, Adobe RGB deckt dabei mehr druckbare Farben ab als sRGB.
- Der CIE-Lab-Farbraum umschliesst als geräteunabhängige Referenz alle für Menschen sichtbaren Farben und dient als Zwischenstation zwischen RGB und CMYK.