Nuten: Bedeutung und Anwendung in der Druckweiterverarbeitung
Nuten ist ein Verfahren in der Druckweiterverarbeitung, bei dem ein Werkzeug das Material gezielt eindrückt oder schwächt, damit sich dickere Papiere und Kartonagen sauber falzen lassen, ohne zu brechen. Besonders bei dickeren Papieren und Kartonagen kommt das Nuten zum Einsatz.
Was bedeutet Nuten?
Der Begriff Nuten beschreibt sowohl in der Fertigungstechnik als auch in der Papiertechnik einen Vorgang, der eine Vertiefung entstehen lässt. In der Fertigungstechnik sind damit längliche Vertiefungen in Werkstoffen gemeint, die unter anderem eine Fräse herstellt.
Wie funktioniert das Nuten?

Die Fräse trägt Material von einem Werkstück, beispielsweise aus Metall oder Holz, zerspanend ab. Ähnlich verhält es sich beim Nuten von Papier und Karton, denn dabei handelt es sich ebenfalls um eine zerspanende Verfahrensweise. Auch hier trägt ein Zerspanungswerkzeug das Material, in dem Fall Papier beziehungsweise Karton, minimal ab – das Werkzeug schneidet also einen rechteckigen oder keilförmigen Materialspan aus dem Papier/Karton heraus.
Wie das Rillen verfolgt das Nuten in der Papiertechnik das Ziel, das Material im Anschluss (besser) weiterverarbeiten zu können. Genutetes Material ist also flexibler, wodurch es je nach Beschaffenheit des Papiers beziehungsweise Kartons erst möglich oder einfacher ist, den Bogen im Anschluss zu knicken. Auch das Falzen fällt dank dieses Verfahrens deutlich leichter – ausserdem entsteht dadurch ein verbessertes und präziseres Falzbild. Vorheriges Nuten verhindert, dass Fasern des Papiers oder Kartons an einer gefalzten Linie brechen. Welche Stellen des Produkts beim Nuten zu bearbeiten sind, können sogenannte Falzmarken – eine bestimmte Art von Druckmarken – andeuten.
Typische Anwendungsbereiche
Nuten (auch Rillen) kommt in der Druckweiterverarbeitung immer dann zum Einsatz, wenn ein Druckprodukt sauber gefalzt, geknickt oder aufgeklappt werden soll, das Material jedoch ohne vorbereitete Biegelinie zu Rissen, Aufbrechen der Oberfläche oder unsauberen Falzkanten neigt. Das betrifft vor allem dickere oder steife Materialien, gestrichene Papiere, Karton sowie stark bedruckte beziehungsweise lackierte oder digital gedruckte Produkte, bei denen Farb- oder Tonerschichten an dem Falz brechen können.
Typischerweise erfolgt das Nuten, wenn Sie Folder oder Flyer drucken lassen, bei denen höhere Grammaturen oder vollflächige Farbflächen eine saubere Falzung erfordern. Das gilt ebenfalls für Broschüren, insbesondere bei festen Umschlägen oder empfindlichen Oberflächen. Auch Karten und Umschläge werden genutet, wenn sie aus Karton mit einer hohen Grammatur bestehen oder eine präzise, optisch hochwertige Klappkante vonnöten ist. Bei Verpackungen und Faltschachteln ist das Nuten nahezu unverzichtbar, da definierte Biegelinien notwendig sind, um die Formgebung zu ermöglichen und Materialbrüche beim Aufrichten zu vermeiden.
Generell gilt: Je dicker das Papier oder der Karton und je empfindlicher die Oberfläche, desto eher ist Nuten erforderlich, um eine hohe Verarbeitungs- und Produktqualität sicherzustellen.
Nuten vs. Rillen vs. Falzen
Oftmals finden Nuten, Rillen und Falzen bedeutungsgleich Verwendung, das ist jedoch falsch. Zwar dienen alle drei Verfahren dem Ziel, ein Material kontrolliert zu knicken oder zu falten, technisch und funktional unterscheiden sie sich jedoch deutlich.
Falzen bezeichnet den eigentlichen Biegevorgang, bei dem die Falzmaschine Papier oder Karton entlang einer Linie umlegt. Ohne vorbereitende Massnahmen kann es dabei – insbesondere bei dicken, gestrichenen oder bedruckten Materialien – zu Rissen, Aufbrechen der Oberfläche oder unsauberen Kanten kommen. Um dies zu vermeiden, setzen Druckereien Rillen oder Nuten als vorbereitende Verfahren ein.
Beim Rillen findet eine Umformung des Materials statt. Das heisst, das Material erhält auf der einen Seite eine linienförmige Vertiefung, welche auf der Rückseite als Erhöhung hervortritt.
Das Nuten hingegen stellt keine umformende Technik dar, sondern eine zerspanende – es trägt Papier beziehungsweise Karton an der Nut ab und entfernt somit Material. An der genuteten Stelle schneidet das Werkzeug mit dem Material bereits gedruckte Farbe heraus. Aus diesem Grund greifen Druckereien bei Druckprodukten hauptsächlich auf das Rillen zurück, welches die bedruckte Oberfläche nicht beschädigt.
| Verfahren | Zweck | Materialbearbeitung |
| Nuten | Falzvorbereitung | stark – zerspanend, Material wird abgetragen (inkl. ggf. Druckfarbe) |
| Rillen | Falzführung | leicht bis mittel – umformend, Material wird verdrängt und komprimiert |
| Falzen | Umlegen | keine – rein mechanischer Biegevorgang |
Häufige Fragen zum Nuten (FAQ)
Warum nuten Druckereien Papier?
Das Nuten schwächt das Papier vor dem Falzen und verhindert so ein Brechen oder Reissen an der Falzkante.
Wann ist Nuten sinnvoll?
Besonders bei höheren Grammaturen wie dickerem Papier und Kartonagen ist Nuten sinnvoll, denn hier kann ein direktes Falzen zu Materialbruch führen.
Was ist der Unterschied zwischen Nuten, Rillen und Falzen?
Beim Nuten erfolgt ein gezielter Materialabtrag mittels Werkzeug, während Rillen lediglich eine Falzführung markiert. Das Falzen ist das eigentliche Umlegen.
Bei welchen Materialien ist Nuten unverzichtbar?
Vor allem bei Karton, starken Papieren und beschichteten Materialien sollte das Nuten Verwendung finden.
Ist Nuten immer erforderlich?
Nein. Bei dünnen Papieren kommt meist direkt das Falzen zum Einsatz, ohne vorher zu nuten.
Zusammenfassung – Nuten kurz erklärt
- zerspanendes Verfahren: Beim Nuten trägt ein Werkzeug gezielt Material aus Papier oder Karton ab.
- Falzvorbereitung: Nuten bereitet dicke Papiere und Karton auf die Weiterverarbeitung – insbesondere das Falzen – vor.
- Reduziert Materialbruch: Die Materialschwächung verhindert Faserbruch bei steifen Materialien.
- klare Abgrenzung: Nuten unterscheidet sich technisch deutlich von Rillen (umformend) und
- saubere Ergebnisse: Es ermöglicht saubere Kanten und eine verbesserte Optik in der Druckweiterverarbeitung.